Olympus PEN-F mit Zuiko 17mm f1.8 und Panasonic Nocticron 42,5 f1.2
Tech Talk

Kameras und Objektive für die Hochzeits­fotografie

| Dirk Weber | Technik

Hochzeitsfotografie mit Olympus - geht das überhaupt? Welche Objektive und welche Kameras nutze ich für die besten Hochzeitsfotos? Was sind die Besonderheiten und welche Vor- und Nachteile gibt es?

Olympus PEN-F mit Zuiko 17mm f1.8 und Panasonic Nocticron 42,5 f1.2

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Fotos

Seien wir ehrlich, Kameras und Objektive sind nur Werkzeuge. Und  dennoch entbrennen ständig Diskussionen darüber, welche Technik Fotografen einsetzen sollten. Neben aller Theorie kann es daher interessant sein, einfach mal zu schauen, welche Werkzeuge man als Hochzeitsfotograf tatsächlich im Alltag nutzt und warum.

Zuletzt hatte ich hier einige Zahlen, Daten und Fakten zu den von mir auf Hochzeiten eingesetzten Kameras und Objektiven in der Hochzeitssaison 2016 vorgestellt. Das ist mittlerweile schon ziemlich lange her und es hat sich einiges getan. Daher musste Lightroom nochmal ran und ein paar neue Zahlen für die Statistik liefern.

Objektive in der Hochzeitsfotografie

Zahlen, Daten, Fakten - 2016-2020

80% mit nur zwei Brennweiten

Schon 2016 war das 42,5mm als klassische Portraitbrennweite (85mm am KB-Sensor) für etwa die Hälfte aller Fotos verantwortlich. Auf dem zweiten Platz lag das 17mm (34mm am KB-Sensor) mit einem knappen Drittel.

Über die Jahre hat sich das tatsächlich kaum verändert. Kein Wunder, denn "notwendig" sind andere Brennweiten auf Hochzeiten nicht unbedingt. Für eine runde Geschichte reichen die beiden völlig aus.

Bei der Reportagebrennweite habe ich das 17mm Ende 2017 durch ein 15mm ersetzt - einfach um ein bißchen mehr Luft um die Bilder zu haben. Im Getümmel war mir das 17mm oft eine Nuance zu eng. 2mm klingt nicht viel, ist in der Reportagesituation aber Gold wert. An der Verteilung hat das aber praktisch nichts geändert.

Ähnlich steht es um den Weitwinkelbereich. Da liegt das 7-14mm über all die Jahre bei soliden 10% ohne große Veränderung.

Mehr Party mit dem Fisheye

Lange hatte das Fisheye bei mir nur einen Job - Gruppenfotos von großen Hochzeitsgesellschaften. 2019 hatte es dann endlich seinen Durchbruch auf der Tanzfläche. Seitdem bin ich noch näher dran und mit dem kleinen robusten Objektiv mitten im Getümmel. Die Verzerrung des Fisheyes stört dort nicht weiter und sorgt für noch mehr Dynamik.

Welchen Einfluss hatte Corona?

Von 2019 auf 2020 verschiebt sich die Statistik ein bißchen. Hier hat Corona  zugeschlagen und nicht nur die Zahl der Hochzeiten massiv reduziert, sondern auch die Art der Hochzeiten hat sich verändert. Oft wurden die großen Hochzeiten abgesagt und auf 2021 oder 2022 verschoben, in der Hoffnung, dann wieder groß feiern zu können. Die Hochzeiten die stattfanden waren fast alle kleiner als sonst - nur die wenigsten waren mit vielen Gästen und großer Party, die meisten dagegen waren Tiny Weddings. Oft ging es auch "nur" um die standesamtliche Trauung und die große Hochzeit wird für später aufgespart.

  • So sind 2020 nur halb so viele Fotos entstanden wie 2019.
  • Im Ultraweitwinkelbereich bleibt alles wie gehabt - Übersichtsaufnahmen, Location, Innenräume, all das gibt's auch auf der kleinen Hochzeit.
  • Der Einsatz des Fisheyes hat sich praktisch halbiert. Das macht sonst exklusiv Partyfotos und Gruppenfotos von sehr großen Gesellschaften. Beides ist 2020 zum großen Teil weggefallen.
  • Etwas verloren hat auch der mittlere Weitwinkelbereich - weniger Reportagesituationen und mehr Abstand zu den Motiven.
  • Die meisten Anteile hat hier die klassische Portraitbrennweite gekapert.
  • Auch verloren: das 75mm. Das ist sonst meine Geheimwaffe für unbemerkte Headshots bei großen Gesellschaften. Große Gesellschaften...Corona...? Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Und so wie 2021 bisher läuft könnte es dieses Jahr nochmal ganz ähnlich aussehen. Obwohl mittlerweile tatsächlich schon wieder einige größere Hochzeiten anstehen.

Corona Fun-Fact:
Während der Corona-Lockdowns gab es einige Hochzeiten bei denen ich zur Trauung nicht mit in den Trausaal durfte. Hier waren dann bis zu 3 PEN-F auf Stativ im Einsatz - je nach Rahmenbedingungen Remote per WLAN oder per Intervall.

Moment mal, in der Statistik oben fehlt doch 2018, oder!?

Stimmt. In 2018 durfte von Juni bis Oktober eine Sony A7iii mit zu meinen Hochzeiten. Daher fällt das Jahr ein bißchen aus der Statistik und hätte in der Grafik oben nur für Verwirrung gesorgt.

Was die genutzten Brennweitenbereiche angeht hat der kleine Sony Ausflug spannenderweise praktisch keinen Unterschied gemacht:

Ein knappes Drittel aller Aufnahmen entstand im leichten Weitwinkelbereich (Mft 15mm und Sony 35mm) und etwa die Hälfte im leichten Telebereich (Sony 85mm + Mft 42.5mm). Das 75er kam etwas kurz in dem Jahr, aber ansonsten ist die Verteilung kaum verändert.

Wer mehr über den Sony-Ausflug wissen möchte, der findet hier einen kleinen Beitrag über die Vor- und Nachteile der Sony und das Zusammenspiel mit den Olympus.

Die Objektive auf den Hochzeiten / Top 5

#1 Panasonic Leica DG Nocticron 42.5mm f1.2

Meine Lieblingslinse und Immerdrauf-Objektiv an Kamera 1

Vom Bildwinkel her eine klassische Portraitlinse (entspricht 85mm am KB-Sensor), schneller AF, knackscharf auch bei Offenblende und sahniges Bokeh - mit Abstand meine Nummer 1 und an einer Kamera das "Immerdrauf"-Objektiv. Bei der Anfangsblende hat man etwas Angst vor chromatischen Aberrationen, die sind aber selbst bei Offenblende gut kontrollierbar

#2 Panasonic Leica DG Summilux 15mm f1.7

Klein, schwarz, stark und Immerdrauf-Objektiv an Kamera 2

Ein großer Name für ein kleines Objektiv mit starker Leistung. Mit 15mm ist das kleine Summilux etwas weiter als die typische Reportagebrennweite (30mm am KB-Sensor vs. 35mm). So ist im Hochzeitsgetümmel immer ein bißchen mehr Leben im Bild. Ein hübsches Bokeh hat die kleine Linse übrigens auch - vorausgesetzt man geht nahe genug ran.

#3 Olympus Zuiko 7-14mm f2.8

Hervorragend korrigiertes Ultraweitwinkel Zoom

Es ist nicht das schnellste seiner Art, aber ebenfalls knackscharf und mit wunderschönen geraden Linien. Das ist toll für Architektur, macht es aber auch ein bißchen gewöhnungsbedürftig. Wie alle gut korrigierten Weitwinkel werden Flächen zugunsten gerader Linien je nach Bildkomposition stark verzerrt. Menschen am Bildrand sind für derartige Bilder meist wenig dankbar, weshalb man darauf achten sollte, Köpfe und sonstige Körperteile vom Rand fernzuhalten oder abzuschneiden - Stichwort Riiiiesenkopf. Bei weniger gut korrigierten Weitwinkeln (z.B. dem 9-18mm) fällt das weniger auf - sie verzeihen Fehler bei der Bildkomposition eher. Das extreme Gegenteil wäre bei einem Fisheye der Fall. Da passen Flächen recht gut, Linien (und Menschen) sind allerdings extremst gebogen. Einen Tod muss man bei starkem Weitwinkel halt sterben. ;)

#4 Olympus M.ZUIKO 75mm f1.8 ED

Unauffällig in mehrfacher Hinsicht - der Headshot Geheimtipp

Das toll verarbeitete Objektiv ist für seine Brennweite unglaublich kompakt. So nimmt es kaum Platz in der Fototasche weg und sieht vor allem an der Kamera nicht nicht nach einem 150mm Tele (vgl. KB-Sensor) aus. Das macht es unter anderem für unauffäliige Headshots perfekt. Gerade auf großen Hochzeiten lassen sich da auch tolle Momente beim Empfang oder an den Tischen herausgreifen, ohne das jemand etwas mitbekommt. Außerdem hat das Objektiv eine gute Schärfe, schnellen AF und schönes Bokeh - gibt man nicht mehr her.

#5 Samyang 7.5mm Fisheye

Manuell, ultrakompakt und unglaublich praktisch

Das kleine No-Name Objektiv wiegt nix, kost nix, ist scharf und verträgt sich ganz toll mit Gegenlicht. Über Jahre hinweg war es meine erste Wahl vor allem für große Gruppenfotos von oben im Abendlicht. Das ist ein  ziemlich eingeschränkter UseCase und es verbrachte die meiste Zeit in der Fototasche.

2018 hab ich es dann für Partyfotos auf der Tanzfläche wiederentdeckt und vor allem in der Saison 2019 dort massiv eingesetzt. 2020 geht die Quote dann wieder runter - nicht weil sich meine Vorlieben auf der Tanzfläche geändert hätten, sondern weil dank Corona viel weniger getanzt wurde.

Und wo ist der Rest der angeblich 19 Objektive aus der LR-Statistik?

Einiges davon ist verkauft - so zum Beispiel alles was mit der Sony zusammenhing. Anderes war nur Leihgabe und nicht lange genug dabei um in der Statistik eine Rolle zu spielen. Darunter z.B. das Nikkor AF 85mm f1.8 - ein exzellentes "Vernunftobjektiv" für Nikon - oder das Nikkor Z 35mm f1.8 S - eine wirklich großartige Reportagelinse für das spiegellose Nikon Z-Bajonett. Diese Kombi nutzt Saja für ihre Business- und Hochzeitsfotografie. Der Rest schlummert vermutlich in einer Schublade.

  • Zum Beispiel das Olympus M.ZUIKO 12-40mm f2.8 und sein großer Verwandter das Olympus M.ZUIKO 40-150 f2.8 mit zugehörigem 1.4x Teleconverter MC14. Das Set bedient den Brennweitenbereich von 24-420mm (verglichen mit KB) und ist dafür noch recht kompakt. Im Hochzeitsalltag spielt das bei mir aber keine Rolle - zu unhandlich und mit f2.8 nicht offen genug. Gelegentlich darf eins davon aber mal mit auf einen Roadtrip im Camper.

  • Für Urlaub und Reisen oder allgemein für leichtes Gepäck kommen auch mal das Olympus M.ZUIKO 45mm f1.8 und das Olympus M.ZUIKO 9-18mm f4.0-5.6 ED vor die Tür. Die Kombi ist extrem leicht und kompakt. Daher ersetzt das 45er dann das schwere Nocticron und das 9-18er das noch schwerere 7-14mm - zuletzt auf einer Reportage auf dem Oktoberfest in München (noch vor Corona).

  • Ein Spezialist ist das Olympus M.ZUIKO ED 60mm f2.8 Macro - ein krasses Teil mit dem sich mit Zwischenringen für Makroaufnahmen wirklich so ziemlich alles machen lässt.

  • In der Kategorie "Nicht Fisch nicht Fleisch" finden sich dann noch das Olympus M.ZUIKO 25mm f1.8 und das Olympus M.ZUIKO 12mm f2.0. Beides sind tolle Objektive, aber ich kann mit ihnen nicht so recht etwas anfangen. Das 12er ist nicht speziell genug um zwischen dem 7-14er und dem 15er einen Platz zu finden. Ähnlich die sogenannte "Normalbrennweite" 25mm (also 50mm am KB-Sensor) - es gibt wenig Gründe, dafür das 15er oder das 42,5er von der Kamera zu nehmen.

  • Für Video und Experimente darf gelegentlich noch das Voigtländer Nokton 25mm f0.95 vor die Tür. Manuell macht das mit Video wirklich Spaß. Außerdem hat die Linse tolle Blendensterne schon bei großer Blendenöffnung und die Lensflares haben was von Einhörnern auf LSD.

  • Last but not least, der Exot in der Schublade - das Sigma 50-500mm f4.0-6.3 APO, liebevoll "Bigma" genannt. Eigentlich für die alten Olympus DSLRs gerechnet funktioniert das an den aktuellen Spiegellosen mit Phasenautofokus erstaunlich gut. Nach einem passenden Use-Case für mich suche ich allerdings noch.

 

Nicht auszuschließen, dass noch etwas mehr im Schrank liegt. Das spielt dann aber nun wirklich kaum noch eine Rolle - schon gar nicht für die Hochzeitsfotografie.

Die Kameras auf den Hochzeiten

Grundsätzlich habe ich auf Hochzeiten zwei Kameras aktiv im Einsatz (und eine dritte als Backup in der Tasche). Das geht soweit, dass ich in Schlüsselsituationen auch parallel mit beiden fotografiere. Das sieht mitunter ein bißchen albern aus, verschafft mir aber Bilder aus zwei Perspektiven mit unterschiedlichen Brennweiten - für die Hochzeitsreportage ein Vorteil, den ich nicht missen möchte.

Eine Rangliste macht hier natürlich relativ wenig Sinn. Anders als bei den Objektiven werden Kameras viel schneller durch Nachfolger ersetzt. Trotzdem ist es ganz spannend zu sehen, was in den letzten 5 Jahren schon so alles mal auf Hochzeiten dabei war.

Hauptkameras sind aktuell zwei E-M5 MkIII und eine PEN-F als Backup.

  • Olympus PEN-F

  • Olympus E-M5 MkIII

  • Sony A7iii

  • Olympus E-M5 MkII

  • Olympus E-M5

  • E-M1 MkII

  • Nikon Z7

  • Nikon Df

  • Mavic 2 Pro

#1 Die PEN-F - Das sexy Arbeitstier

Von 2016 bis 2019 waren zwei davon auf praktisch allen Hochzeiten dabei. Vier Hochzeitssaisons und entsprechend viele Fotos sichern ihr den obersten Listenplatz über die letzten 5 Jahre. Viel schöner kann eine Kamera übrigens nicht sein

#2 Die E-M5 MkIII - Die smarte Nachfolgerin

Nicht ganz so hübsch wie die PEN, aber mit dem Autofokus und der Rechenpower der großen (und klobigen) Schwester ist sie für mich aktuell die ideale Kamera. Ein prima Mix aus Qualität und Kompaktheit. Im Team seit Ende 2019 hat sie bisher fast nur Corona-Hochzeiten gesehen.

#3 Die A7iii - Der ungeliebte Gast

Die Sony und ich hatten nie ein gutes Verhältnis. Aber sie war 2018 auf vielen Hochzeiten dabei - auch auf einigen in Irland mit vielen hundert Gästen und vielen vielen Fotos. Das sichert ihr aktuell noch den 3 Platz. Warum die Sony und ich keine Freunde wurden könnt Ihr hier lesen.

#4 Die E-M5 MkII - Die logische Fortsetzung

Unspektakulär aber zuverlässig. So hätte ich damals das Update der E-M5 beschrieben die 2015 ins Team kam. Seit der PEN-F führte sie aber ein ruhiges Leben als Drittkamera für gelegentliche Live Composites auf Hochzeiten und als Backupkamera.

#5 Die E-M5 - Mein Absprung zu den Systemkameras

In der Statistik ist sie nur noch wegen gelegentlicher Jobs im Photobooth. Auf Hochzeiten spielt die E-M5 schon lange keine Rolle mehr. Sie (insgesamt 3 Stück) war aber von Mitte 2012 bis Ende 2015 auf allen Hochzeiten dabei. Die E-M5 in 2012 war für mich auch der Grund, sich endgültig von den DSLRs zu verabschieden und auf Spiegellos umzusteigen.

Hochzeitsfotografie mit MicroFourThirds?

Yep, das geht!

Das geht sogar sehr gut. Und echt jetzt, ich bin kein Olympus Fanboy. Allerdings bin ich seit 2012 spiegellos mit Olympus unterwegs. Da gewöhnt man sich an einiges - im Positiven wie im Negativen - und hat auf andere Systeme sicher nochmal einen anderen Blick. Kameras sind nur Werkzeuge. Und mittlerweile ist es praktisch egal mit welchem System man Hochzeiten fotografiert - alle Kameras sind inzwischen auf einem hohen technischen Niveau. Die Entscheidung wird damit eher zur Geschmackssache. Die Olys und ich passen halt ganz gut.

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